Fährst du deinen Porsche gegen die Wand?

Ich sitze gerade am Küchentisch, habe mir auf dem Weg von der Hochschule einen Berliner geholt und trinke Kaffee. Die letzte Vorlesung behandelte das Thema Umweltschutz, genauer gesagt Grundlagen der Ökologie. Das hat eigentlich nichts mit meinem Studium zu tun, sondern läuft unter dem Motto Studium Generale – man soll quasi über den Tellerrand hinaus gucken. Draußen scheint die Sonne und es ist ein schöner Frühlingstag, kurz habe ich überlegt, ob ich die Vorlesung ausfallen lassen soll, da unser Stundenplan eh bis unter den Rand voll ist. Aber ich habe eben doch nur kurz überlegt und bin dann geschlossen mit den anderen in den Hörsaal gegangen. Wir waren ca. 40 Studenten in unserem größten Hörsaal, viele sind nicht gekommen. Das Thema der Vorlesung lautete „Risiken und Herausforderungen, die die Menschheit bedrohen und für eine Energiewende sprechen“. Dieses Thema interessiert mich eigentlich sehr und ich probiere immer, im Rahmen meiner Möglichkeiten und Bequemlichkeiten, Umweltschutz in meinem Alltag aktiv umzusetzen.

Ich verzichte auf Plastiktüten, nehme, wenn es mir passt, das Rad anstatt des Autos und ernähre mich seit einiger Zeit mit weniger Fleisch. An sich bin ich damit eigentlich schon gut zufrieden. Wenn ich dran denke, mache ich hinter mir sogar das Licht aus, wenn ich aus dem Raum gehe, obwohl ich in fünf Minuten wiederkomme und selbst an Fair-Trade Kleidung traue ich mich langsam heran.

Also was soll man noch machen? Und die Gründe warum sind mir doch eigentlich bekannt!!!

Eigentlich sind sie doch jedem bekannt? Durch zu viel Energieverbrauch erzeugen wir C02, dies erwärmt unsere Erde, die Erde wird wärmer, das Eis schmilzt und und und?

Eintausendmal gehört, jedes Mal bleibt es uns auch für einige Sekunden in Erinnerung, aber wenn man mal ehrlich ist, probiert man diesen Gedanken so schnell wie möglich zu verdrängen, denn was soll man selber noch tun? Und im schlimmsten Fall läuft dann „nur“ Holland über? Also sind wir hier sicher? Warum sich dann Gedanken machen? Wenn es mich nicht betrifft und ich nichts ändern kann, dann genieße ich doch lieber den Sonnenschein oder guck auf Facebook, welche Party am Wochenende ansteht!

Naja nun, eine Stunde nach der Vorlesung, sitze ich hier in meiner Küche und meine Gedanken kreisen. Anscheinend lässt es mich doch nicht so kalt! Ich habe mir den Kaffee vom Vortag aufgewärmt anstatt, wie ich es sonst immer mache, ihn wegzukippen, um dann neuen zu kochen, ich will halt frischen Kaffee und das „ultimative Geschmackserlebnis“ genießen und nicht den alten Kaffee trinken, man gönnt sich ja sonst nichts?

Umweltschutz? Wo fängt das an? Wo hört das auf? Durch was hört es auf?

Die letzten Worte unseres Professors waren: „Ich habe den größten Teil meines Traumes, dass wir Menschen vernünftig genug sind, rechtzeitig zu reagieren, um unseren Planeten zu retten, aufgegeben.“

WAS HAT ER DA GESAGT? Ein Fachmann auf diesem Gebiet, ein gebildeter und erfahrener Professor? Wir werden die Kurve nicht bekommen? Kein Happy End?

Naja, wenn wir eh alle sterben, dann kann ich auch wieder anfangen zu rauchen! Warum mache ich mir dann überhaupt noch Sorgen?

Das waren einige meiner Gedankengänge, die mir auf dem Nachhauseweg kamen. Gepaart mit Gedanken wie: „Aber wir müssen doch unseren Kindern eine heile Welt hinterlassen?“ Allein der Satz : „Aber wir müssen doch unseren Kinder eine heile Welt hinterlassen!“ hängt mir aus den Ohren raus – der alltägliche Brei, den jeder durch Medien oder durch die Unterhaltung auf Feierlichkeiten regelmäßig vorgekaut bekommt oder vor allem selber kaut.

Und dann fallen mir die ganzen neuen Autos auf, die am Straßenrand stehen, eines schicker als das andere.

Mal im Ernst, wenn man einfach so einen Porsche geschenkt bekäme, dann würde man ihn doch hegen und pflegen, ihn teuer versichern, vielleicht sogar noch eine extra Garage anmieten, damit er nachts gut behütet und trocken steht.

Aber auf keinen Fall würde man ihn mit Vollgas vor die Wand fahren!

Man weiß ja, was passieren würde, man ist ja schließlich nicht doof!!!!

Das Auto wäre Kernschrott und wir wären höchst wahrscheinlich schwer verletzt und hätten ziemliche Schmerzen!

Doch warum machen wir genau das mit unserer Welt? Warum fahren wir unsere Welt mit vollem Bewusstsein gegen die Wand?

Eigentlich sollte ich jetzt gerade eine Hausarbeit über Lesetechniken schreiben, aber der Gedanke lässt mich einfach nicht los.

Wahrscheinlich ist auch genau das das Problem. Wir haben immer irgendwas zu tun! Unser Alltag ist von vorne bis hinten durchgetaktet. Wir probieren, alles unter einen Hut zu bekommen – Schule, Arbeit, Freunde, Familie, Kinder, und vor allem müssen wir uns auch um uns selbst kümmern!

Wer hat schon Bock, sich nach der Arbeit oder nach der Schule noch mit „Umweltschutz“ oder „Polschmelze“ zu beschäftigen? Und vor allem: Wenn man wirklich mal Zeit hat, wo soll man anfangen? Es gibt ein Übermaß an Angeboten! Habe ich wirklich Zeit, mich einmal in der Woche bei einer Organisation zu betätigen? Und habe ich da in zwei Wochen auch immer noch Lust drauf? Noch mehr Verpflichtungen? Und wenn ich Urlaub habe, will ich doch einfach mal ausspannen, schließlich will ich ja was vom Leben haben.

Wahrscheinlich will jeder Mensch doch einfach nur glücklich sein. Aber das Glück sieht für jeden auch anders aus. Für den einen ist Glück ein schöner Sportwagen, der andere freut sich über eine Weltreise, über das Kennenlernen anderer Kulturen oder er möchte sich unbedingt ein großes schönes Haus für sich und seine Familie leisten. Jeder hat seine eigenen Ziele, und Reichtum ist weder gut noch schlecht aber wo will man sein Haus erbauen, wenn es keinen geeigneten Platz mehr gibt, auf welchen Straßen will man mit seinem Sportwagen fahren, wenn diese mit Wasser überflutet sind?

Umweltschutz fängt im Kleinen an.

Und auch die großen Firmen, die immer für die Umweltverschmutzung verantwortlich gemacht werden, bestehen aus Menschen. Es sind die einzelnen Angestellten einer Firma, die den Ausschlag geben. Egal ob Managerin oder Angestellter, ob vollzeitbeschäftigt oder erwerbslos, egal ob Familien-Vater oder Schülerin, jeder oder jede kann in seinem Maße etwas verändern und dazu beitragen.

Genieße dein Leben aber denke dran, dass dies auch in Zukunft noch möglich sein sollte.

Gestalte Umweltschutz in deinem Leben, wie es dir möglich ist.

Also, wo fängst du an?

 

David Niemann

Was ist eigentlich das Problem?

Menschen können sich schlecht selbst wahrnehmen. Sie brauchen dazu die anderen. Selbst vor dem Spiegel bin ich nicht allein. Wie sich ein Mensch selbst sieht, was sie oder er von sich hält, wer jemand ist – all das wird durch die anderen gemacht, ist quasi ein Kondensat aus den vielen „Rückmeldungen“, die jemand im Laufe eines Lebens erhält.

Wir betrachten uns also durch die Augen der anderen. Zuvörderst sind dabei statusrelevante Informationen wichtig. Bin ich wer? Bin ich in Ordnung so? Ich kann mich quasi nur ertragen, wie mich die anderen ertragen. Und umgekehrt: die anderen ertragen mich nur so, wie ich mich selbst ertrage.

Vielleicht ist das einer der Gründe, warum so viele in die Städte ziehen. Man ist dort unter Menschen, die auch gern in der Stadt sind. Man kann sich quasi durch deren Augen betrachten. Das sind womöglich die – vergleichsweise – angenehmeren Augen. Nicht die miesepetrigen Blicke der Dorfbewohner, unter denen man aufgewachsen ist – morgens schlecht drauf von zu viel Bier am Abend zuvor und zum Abend schlecht drauf, weil man bis zum nächsten Bier noch zu viel zu tun hat. Übertrieben? Wahrscheinlich.

Halten wir fest: Wir betrachten uns lieber durch die Augen derjenigen, die so sind, wie wir sein wollen.

Stellen wir uns jetzt eine Gegend vor, in der viele irgendwie nicht mehr sein möchten. Das schlägt sich nieder. Das beschleunigt den Prozess. Als jemand, der nicht hier sein möchte, sehe ich ja quasi nur andere, die auch nicht hier sein möchten. Die nächste Großstadt beginnt, regelrecht zu leuchten.

Dabei kann man auf so eine Situation auch anders reagieren. Man muss dafür gelernt haben, dass es egal ist, wo man lebt, dass es vielmehr darauf ankommt, wie man selbst in den sprichwörtlichen Wald (das Dorf, die Stadt) hineinruft. Wenn man nett ist zu seiner Gegend, dann findet man alles, was man braucht. Natürlich sind die anderen immer noch da, und sie bleiben womöglich – je nach Perspektive – sehr „anders“. Sie widersetzen sich der Verstädterung, sie frönen ihren Gewohnheiten. Sie fahren samstags mit der Feuerwehr durch das Dorf und tuten laut, quasi als sozial gerechtfertigte Einladung zu einem weiteren Besäufnis.

Klar geht die Gegend irgendwie (r)unter. Aber was ist das Problem? Merken wir das irgendwie? Wird das Leben dadurch anders? Hören wir dadurch auf zu leben? Wir hören mit gar nichts auf. Wir nehmen das nur so wahr. Weil ein Teil der anderen – in der Regel der dem jeweiligen „uns“ ähnlichere – weg geht. Weil diejenigen dann aus der Stadt anrufen und schwärmen, wie gut es war, in die Stadt zu gehen. Oft leben sie genau so wie vorher, nur eben in der Stadt. Nur das Gefühl ist besser. Es fällt leichter, sich selbst zu betrügen. Weil die anderen hier anders sind – oder man sich das zumindest einbilden kann.

Klar wird es kälter. Wir haben eine Umwälzung hinter uns – und so mancher von uns mag gedacht haben, wir hätten Zeit, die Wende aufzuarbeiten. Ach, wie wir die Aufarbeitung lieben. Alles muss geklärt werden. In jedem Keller wird Licht gemacht. Und was haben wir davon? Mitten in der weltpolitischen Atempause nach dem Kalten Krieg hat sich die nächste Umwälzung herangeschlichen – ob sie nun Globalisierung oder europäischer Integrationsprozess oder Flüchtlingskrise genannt wird: fakt ist, dass alles sehr, sehr schnell geht. Von anderen, globaleren Themen wie schmelzenden Polkappen ganz zu schweigen.

Zu viel für ein kleines Leben? Ja und nein. Ja, weil man verdrängen will. Die Verdrängung ist die historisch geläufigere Reaktion, an deren Stelle wir heute die Aufarbeitung nennen – weil wir es können. Und nein, weil (fast) alle Generationen vor uns ähnliche Themen hatten.

Was hat das alles mit der Lausitz zu tun? Wenn man genau hinsieht, sehr viel.

Jede Generation wächst heran und macht die in ihrer Jugendzeit wahrgenommenen Bedingungen unbewusst zur Grundlage des Denkens. Die Anzahl der Autos („Früher war es auf den Straßen sicherer!“), die Art der Erziehung („Früher hat man mit Autorität kein Problem gehabt. Heute darf man als Lehrer quasi gar nichts mehr!“) – und in ähnlicher Weise die seinerzeit wahrgenommene Struktur jeden Lebensbereichs – wird unbewusst zur Orientierung des Denkens. Und weil das Leben vorwärts gelebt und rückwärts verstanden wird, vergleichen wir alles mit den „Grundlinien des Denkens“ unserer jeweiligen Generation.

Ausgehend von diesen Grundlinien machen wir uns ein Bild. Wir vergleichen. Wir haben volle Straßen und Schulen gesehen. Wir haben in Betrieben mit vielen Menschen gearbeitet. Wir haben in vollen Bussen gesessen. Wir haben unsere Krisen nicht allein, sondern im Familien- oder Freundesumfeld bewältigt. Das Leben war „dichter“, unsere Städte waren „gefüllter“, auf unseren Festen war „mehr los“. Und nun?

Wir brauchen die Perspektive nur über den Horizont eines Lebens erweitern. Oder besser noch über den Horizont mehrerer Leben. Vor der Industrialisierung war hier flaches, feuchtes Land mit ein paar Hügeln zwischendrin. Schön an manchen Stellen, aber vor allem einsam und nebelig. Pückler hat sich nicht umsonst über den „platten Pfannkuchen“ Lausitz ereifert.

Was macht man im Angesicht wachsender Leere? Man frage sich, ob die Lausitzen nicht schon öfter „neben der Zeit“ oder „neben den Interessen“ gelegen haben. Und war das problematisch? Wen stört es, wenn in einem Landkreis statt 300.000 nur noch 200.000 Menschen leben? Was genau ist das Problem?

Jörg Heidig

Das Problem mit dem Begriff der Nachhaltigkeit

In der klassischen Begriffsdefinition von Nachhaltigkeit geht es darum, dass man nicht mehr Holz schlagen soll als nachwächst. Der Sinn des Begriffs hat dabei weniger mit den Waldbeständen an und für sich zu tun, als vielmehr mit der langfristigen Sicherung der Nutzbarkeit eben dieser Waldbestände und damit der Sicherung eines wichtigen Teils der Wirtschafts- und Lebensgrundlage des Menschen. Als von Carlowitz den Begriff der Nachhaltigkeit erstmals verwendete, war es beispielsweise der Bergbau, in dem Unmengen Holzes gebraucht wurden, und der nicht auf Dauer weiterzuführen gewesen wäre, wenn man längerfristig mehr Holz verbraucht hätte als in erreichbarer Entfernung im gleichen Zeitraum nachwachsen konnte. So schildert etwa Jared Diamond anschaulich, was mit Kulturen geschah, die auf Dauer mehr verbrauchten, als in erreichbarer Nähe nachwachsen konnte: sie fraßen alles kahl, dehnten ihre Beschaffungswege aus, überdehnten sie, kollabierten und gingen unter. Das Phänomen der sich von Generation zu Generation neu eichenden Grundlinien des Denkens (shifting baseline syndrome) sorgt begleitend dafür, dass die Menschen das in der Regel noch nicht einmal bewusst mitbekommen. Ein ebenso gut geschriebenes wie trauriges Buch dazu ist Jeffrey Bolsters „The Mortal Sea“, in dem er das Phänomen der shifting baselines am Beispiel der Fischereigeschichte schildert.

Das Problem mit dem Begriff der Nachhaltigkeit ist, dass er aus Zeiten stammt, in denen wir mehr oder weniger nur das verbraucht haben, was die Sonne über Jahresfrist in die Erde hineingestrahlt hat (Friedhelm Hengsbach). Es gab zwar schon immer eine gewisse Tendenz zur Übertreibung – so sind eben manche Kulturen untergegangen, weil sie kahlgefressen haben, was erreichbar war – aber mit dem Begriff der Nachhaltigkeit wurde für damalige Verhältnisse etwas definiert, ein Maß festgelegt – zum Beispiel: „Nimm nicht mehr, als sich in Jahresfrist regeneriert.“ Nun verbrauchen wir aber seit etwa 200 Jahren deutlich mehr Energie, als die Sonne im Laufe eines Jahres in die Erde hineinstrahlen kann (noch einmal Friedhelm Hengsbach). Mit dieser Energie verarbeiten und transportieren wir Dinge viel, viel schneller. Was wir nun nicht mehr haben, ist das Gleichgewicht eines Kreislaufs aus Wachstum und Verbrauch als Maß. Deshalb ist es so schwierig, den Begriff der Nachhaltigkeit für die heutige Wirtschaft zu operationalisieren (also ein brauchbares Maß dafür zu finden). Wir wissen zwar, dass wir sparen sollen, und wir tun das auch (oder wollen es zumindest), aber so genannte Rebound-Effekte fressen das alles mehr oder minder gleich wieder auf, sprich, die gewonnenen Einspareffekte werden durch ein größeres Wachstum wieder zunichte gemacht. Das Wachstum wird nur ein wenig effizienter, das heißt, wir produzieren mehr Stück mit weniger Energie und Materialeinsatz pro Stück. Aber es bleiben eben immer noch mehr Stück als im Vorjahr, das heißt, das Problem an sich besteht weiter. Wir betrachten und messen also immer nur ein Stück des Kreislaufs.

Ein Lichtblick war jüngst die Meldung, dass Deutschland im Jahr 2014 bei moderatem Wirtschaftswachstum von 1,5 Prozent weniger Energie verbraucht hat als im Vorjahr. Dennoch bleiben Wachstum und Effizienz die das Handeln leitenden Metaphern. Bei Entscheidungskonflikten zwischen ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Belangen, entscheiden sich Führungskräfte in der Regel für die wirtschaftlichen Belange. Alles andere wäre ja auch dumm, gefährde es doch den Fortbestand des Unternehmens – zumindest auf den ersten Blick. Doch was passiert, wenn man genauer hinsieht? Wenn man sich mit den langfristigen Folgen solcher Entscheidungen auseinandersetzt? Dann kann man, wenn man möchte, bemerken, dass unsere Begriffe dafür nicht ausreichen, dass wir gar nicht wissen, wie wir das nennen, geschweige denn messen sollen. Wir nennen es Nachhaltigkeit, aber wir haben diesen Begriff so lange durch die Welt getragen, dass mittlerweile alles Mögliche an ihm kleben bleibt. Und wir haben kein vernünftiges Maß. Wir müßten weniger verbrauchen, ja. Wir müßten sparen, ja. Aber wie will man das alles beurteilen? Wie will man ein Maß finden? Und das auch noch international?

Was unser Handeln leitet, ist der Begriff der Effizienz. Effizienz bedeutet, ein gewünschtes Ergebnis in Relation zu den eingesetzten Mitteln zu betrachten. Effizienzsteigerung heißt, ein gleiches oder besseres Ergebnis mit weniger Mitteln zu erreichen. Darauf können wir uns gut einigen, oder? Weniger Mitteleinsatz klingt doch auch nachhaltig. Das Problem ist hier aber das Wachstum, das in der Regel größer ist als die Effizienzsteigerung (die bereits genannten Rebound-Effekte). Der Begriff der Effizienz hilft also nichts, im Gegenteil: wenn man sich vergegenwärtigt, woher er stammt, wird seine Untauglichkeit noch deutlicher. Der Effizienzbegriff wurde im preußischen Generalstab geprägt (Martin van Creveld). Man brachte mit einem Wort die eingesetzten militärischen Mittel in dem Zusammenhang mit der gewünschten Wirkung. Besonders effizient waren die Mittel dann eingesetzt, wenn die gewünschte Wirkung mit möglichst wenig Mitteln erreicht werden konnte. In die Welt der Wirtschaft übertragen könnte man meinen, dass Führungskräfte im Grunde wie Feldherren handeln – der Unternehmenszweck ist wichtiger als alles andere. Primat hat der wirtschaftliche Erfolg. Genauso wie der Feldherr denkt eine Führungskraft selbstverständlich – und wenn etwas aus sich selbst heraus verständlich ist, dann ist es nicht hinterfragbar – nicht über den Sinn der Existenz des Unternehmens nach und zieht die Option der Nichtexistenz in Betracht. Der Feldherr im Gefecht denkt an den möglichen Sieg – und sucht seine Mittel entsprechend effizient einzusetzen. Selbst bei einer drohenden Niederlage wird er versuchen, Verluste zu minimieren – auch hier ist der Effizienzbegriff hilfreich.

Insofern ist der Begriff des wirtschaftlichen Erfolgs dem des militärischen Siegs äquivalent.

Angenommen, da wäre etwas dran – was hieße das für die Zukunft?

Vor allem zwei Dinge:

  1. Wenn es klappen soll, müssten wir lernen, weniger zu verbrauchen. Ansich ist das keine große Weisheit, aber die Folgen wären alles andere als trivial. Unsere Wirtschaft hat uns einen nie da gewesenen Lebensstandard ermöglicht. In gewisser Weise leben wir in einer Art „Lebensstandard-Blase“. Das Problem ist dabei, dass wir Teile dieses Lebensstandards wie etwa den Umfang der medizinischen Versorgung für so selbstverständlich halten, dass eine andere Welt kaum mehr vorstellbar ist.
  2. Wir müssten des Weiteren den Begriff der Effizienz erweitern oder durch einen anderen Begriff gänzen, der den „großen Kreislauf“ stärker in den Blick nimmt – weg von der „kleinen“ Ergebnis-Mittel-Relation hin zu einer Ergebnis-Mittel-Folgen-Kontext-Relation. Der Begriff der Nachhaltigkeit konnte dies seinerzeit für die „kleinen“ bzw. lokalen Kreisläufe leisten. Aber für den großen Rahmen fehlen uns womöglich die Worte.

Was bleibt, ist die Hoffnung, dass Schritte wie das Vertragswerk, das gestern in Paris verabschiedet wurde, tatsächlich in die richtige Richtung führen. Und: man könnte natürlich auch selber anfangen – Zug fahren anstatt zu fliegen, weniger Auto fahren, manchen Müll vermeiden, indem man auf bestimmte Weihnachtsgeschenke verzichtet et cetera. Aber das geht nicht. Zumindest nicht jetzt im Moment. Und warum schon wieder ich?

Jörg Heidig

Mitarbeitermotivation in Veränderungsprozessen

Dass die Zeiten stabiler Bedingungen vorbei sind, steht nicht mehr nur in der Management-Zeitschrift, sondern ist zum Gemeinplatz geworden. In vielen Unternehmen jagt eine Veränderung die nächste. Die damit einhergehende Instabilität steht aber im Gegensatz zu grundlegenden Bedürfnissen vieler Menschen nach Sicherheit und Stabilität. Führungskräfte berichten deshalb häufig von der Herausforderung, die Motivation ihrer Mitarbeiter in Veränderungsprozessen aufrecht zu erhalten.

Die Frage ist, wie Führungskräfte trotz instabiler Bedingungen für ein motivierendes Klima sorgen können. Man hört an dieser Stelle häufig Tipps aus der Trickkiste manipulativer Methoden. Das Problem ist, dass Tricks nur wenige Male funktionieren. Andere sagen, dass Motivation nur von innen komme und nie von außen. Das stimmt soweit, aber was bedeutet das praktisch?

Geeignete Antworten findet man aus meiner Sicht im Spektrum der folgenden drei Punkte:

1. Führungskräfte sollten für sinnvolle Beteiligung sorgen. Es geht nicht darum, noch mehr Besprechungen und Abstimmungsprozesse zu installieren. Vielmehr geht es darum, Verantwortung und Entscheidungen dort zu verorten, wo sie auch hingehören. Das Prinzip der „kleinen Einheit“ wird immer wichtiger, denn der Mitarbeiter wird mehr und mehr zum Mit-Unternehmer.

2. Es gibt Methoden jenseits von Führungsmeetings und Teambesprechungen, die weniger Zeit kosten und für effizienten Informationsaustausch und die richtigen Ideen zur richtigen Zeit sorgen. Aber diese Methoden verlangen Augenhöhe zwischen Führungskräften und Mitarbeitern und verhindern Herrschaftswissen. Es geht dabei nicht darum, bestehende Hierarchien auszuhebeln. Im Gegenteil: Verantwortung und das entscheidende letzte Wort sollen da bleiben, wo sie hingehören. Es geht vielmehr darum, dass nicht nur die am Tisch sitzen, die sowieso zuständig sind, sondern auch diejenigen, die über das notwendige Spezialwissen verfügen. Im Sinne möglichst innovationsfreundlicher Rahmenbedingungen ermöglichen diese Methoden, die Hierarchie an geeigneten Stellen zu durchstechen.

3. Letztlich ist es darüber hinaus notwendig, „am Ball“ zu bleiben. Viele Veränderungen versanden, weil zu wenig darüber geredet wird, der Erfolg zu früh erklärt wird oder weil die Verantwortlichen schlicht zu wenig Energie und Geduld investieren. Technische Rahmenbedingungen wie bspw. Datenbanken sind vergleichsweise schnell geschaffen. Aber der menschlichen Seite von Innovation und Veränderung wird häufig zu wenig Augenmerk gewidmet. Und weil Menschen vor allem Gewohnheitstiere sind, die unangenehme Ereignisse und Aufgaben oft lieber verdrängen, sind hier vor allem zwei Dinge gefragt: eine zielorientierte, energische Beharrlichkeit verbunden mit der Fähigkeit, nicht ohne Freundlichkeit immer wieder über die Ziele zu sprechen. Das heißt nicht, dass es nicht auch mal „knallen“ muss.

Zum Thema „Mitarbeitermotivation und Führung in Veränderungsprozessen“ führen wir heute in Dresden einen Workshop mit den am Dresdner Ökoprofit-Netzwerk teilnehmenden Fach- und Führungskräften durch.