Verlag

Am 20.11.2017 habe ich den Lausitzer Verlag für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften gegründet. Der Grund? Ich möchte nicht nur interessante, sondern auch schöne Bücher schreiben. Das Design des Verlags stammt von Thomas Hönel.

Die Kultur der Hinterfragung ist nicht das erste Buch, das in meinem Verlag erschienen ist, wohl aber das bisher wichtigste. Es geht darin um einige gesellschaftliche Entwicklungen, die meinem Koautor Dr. Benjamin Zips und mir Sorge bereiten. Wir beobachten, dass die Art und Weise, wie wir derzeit in Deutschland miteinander kommunizieren, immer dekadenter wird. Jawohl, dekadenter.

Wie kann Kommunikation dekadent werden? Nun, indem nicht mehr wirklich miteinander gesprochen wird, sondern mehr oder minder nur noch Ansprüche angemeldet werden, die anschließend nicht mehr ausgetragen, sondern – in der jeweils eigenen „Echo-Wolke“ in den sozialen Medien oder im jeweils eigenen „ideologischen Bunker“ nur noch bestätigt werden.

Nach dem zweiten Weltkrieg, als unsere Verfassung entstand, war mit dieser Verfassung auch eine Hoffnung verbunden – die Hoffnung auf Kommunikation. Was wir heute beobachten, ist jedoch keine Hoffnung auf Kommunikation mehr, sondern eine Infragestellung der Grundwerte unserer Gesellschaft, indem sich Teile der Gesellschaft gegenseitig absprechen, überhaupt noch miteinander reden zu können bzw. zu wollen. Das spaltet unsere Gesellschaft.

Ein zentrales Phänomen dieser Entwicklung ist, dass viele Menschen nicht mehr sagen, was sie denken – und zwar aus Angst, hinterfragt zu werden. Zum Beispiel Pädagogen: Aus Angst, von den Eltern hinterfragt oder verbal angegriffen zu werden, setzen viele Erzieher und Lehrer eigentlich notwendige Grenzen nicht mehr und weichen damit früher selbstverständliche pädagogische Grundsätze auf – mit der Konsequenz, dass sie sich gleichsam vorbeugend selbst hinterfragen und nicht mehr handeln.

Ähnliche Entwicklungen lassen sich bei Führungskräften beobachten: aus Angst, falsche Entscheidungen zu treffen, sichern sich viele Führungskräfte vorher bei Beratern und Juristen ab. Grundsätzlich mag das richtig sein, aber der Anteil von Juristen und Beratern ist in den vergangenen Jahrzehnten in vielen Organisationen so stark angestiegen, dass in der Konsequenz auch hier eine Art „prophylaktischer Selbsthinterfragung“ zu beobachten ist. Entscheidungen werden vielerorts erst dann „kommuniziert“, wenn sie abgesichert und mit allen abgestimmt wurden.

Diese beiden Beispiele mögen an und für sich noch keine größeren Probleme darstellen. Was geschieht aber, wenn sich die Angst vor der Hinterfragung auch auf andere Lebensbereiche ausdehnt? Etwa, indem die prophylaktische Selbsthinterfragung politischer Akteure dazu führt, dass nur noch mehr oder minder angepasste Dinge gesagt werden, weil von irgendwoher Hinterfragung droht. Immerhin in der ZEIT war bereits von einer „queer-feministischen Gender-Stasi“ die Rede. Oder nehmen wir das aktuelle Reizthema Nummer eins, die Migration. Wie viele Menschen haben Angst, ihren migrationsskeptischen oder -kritischen Ansichten Ausdruck zu verleihen, weil sie befürchten, nachher in die „rechte Ecke“ gestellt zu werden? Es geht unseres Erachtens nicht um irgendeine Form von „Diskurshoheit“ in einer Auseinandersetzung zwischen rechts und links, sondern es geht darum, dass wir als Gesellschaft handlungsfähig bleiben.

Wo kommen wir hin, wenn es nicht mehr möglich ist, Feinde der Gesellschaft als solche zu bezeichnen und als solche zu behandeln?

Ein Auszug aus dem Buch:

„Was tun wir, wenn, wie kürzlich in Hamburg während des G20-Gipfels geschehen, Radikale für eine begrenzte Zeit ein Stück des Bodens der Verfassung gleichsam herausschneiden und ihr Umfeld von dem selbst definierten rechtsfreien Raum aus mit Gewalt massiv angreifen? Wenn sich Radikale einfach neben die Verfassung stellen und von dort aus angreifen wür- den, wäre die Situation überschaubarer. Dann könnte man auch klarere Gegenstrategien finden. Das Problem ist aber eine Vermischung der Ebenen. Während sich die Radikalen beim Angriff quasi neben die Verfassung stellen, findet ein großer Teil der Kommunikation nach außen, die vom Kern (oder besser: den Kernen) der so genannten Aktivisten ausgeht, aber auf dem Boden der Verfassung statt, etwa indem ihre Aktivitäten durch ein so genanntes Legal Team unterstützt werden, das im Bedarfsfall zur Seite steht und nicht nur rechtlichen Beistand leistet, sondern bereitwillige Hinterfrager mit einer geeigneten Sicht der Dinge versorgt. Verschiedene Sichtweisen sind bei Auseinandersetzungen normal. Und wenn eine Sichtweise die mächtigere ist, dann ist es ein gutes Zeichen, wenn man sie ungestraft hinterfragen kann. Aber wenn jemand nicht hinterfragt, sondern aktiv angreift, sich dann aber mit den Mitteln der Hinterfragung selbst schützt, dann stimmt etwas nicht. Hinzu kommt, dass die meisten der so genannten Aktivisten am nächsten Tag wieder den Boden der Verfassung betreten, etwa indem sie zum Arzt gehen oder nach Hause fliegen, sprich: in ihr „anderes Leben“ zurückkehren.“

Wirkliche Kommunikation bedeutet, den Standpunkt des anderen zumindest verstehen zu wollen. Wir müssen lernen, abweichende Sichtweisen zu ertragen und Streit auszuhalten. Was derzeit getan wird, ist vor allem, Menschen mit abweichenden Meinungen zu belehren. Das ist eine höchst naive Strategie, die nichts bewirkt außer dem Gegenteil dessen, was sie bewirken soll.

Unser Buch ist in der Görlitzer Comenius-Buchhandlung und online bei Amazon, Thalia und vielen anderen Buchhändlern erhältlich. Auf der Facebook-Seite der Comenius-Buchhandlung gibt es bereits eine erste Rezension zu unserem Buch:

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Jörg Heidig